Die Kunst der Pause

Wie Stress unser Leben positiv beeinflusst, ja sogar erfüllt und belebt, erläutert Dr. Christian Uhl in seinem zweiten Blogbeitrag. Christian, international bekannter und erfolgreicher Mentalcoach, Sportpsychologe und Mitbegründer des psychologischen Erfolgssystems der österreichischen Skisprungnationalmannschaft «Super-Adler», ist überzeugt, dass Stress in der richtigen Dosis und im Wellenverlauf mit gezielten Pausen uns aufmerksamer, agiler, gesünder und auch glücklicher macht. Mehr dazu im nachfolgenden Blogbeitrag vom „Verteidiger des Stresses“ Dr. Christian Uhl.

Die Kunst der Pause – Mit Bewegung und Positiver Psychologie dem Stress begegnen

Darf ich Ihnen eine Frage stellen? – Was ist der erste Gedanke, der bei Ihnen aufkommt, wenn Sie an Stress denken?

Möglicherweise sind es abzuarbeitende Dinge auf dem Schreibtisch, der Verkehr zur Rushhour, die eigenen quengelnden Kinder auf dem Rücksitz oder der penetrante Klingelton Ihres Handys. Ich bin mir sicher, dass diese Szenarien jetzt bei dem einen oder anderen direkt dieses unangenehme Gefühl von innerer Unruhe auslösen. Und damit begrüßen wir ihn: Stress!

Jetzt erwarten Sie wahrscheinlich einen Text, der wie so oft über Stress als Problem und gesundheitliches Risiko berichtet. Hier jedoch eine Aussage von einem führenden Forscher des Stresses in sowohl der Medizin als auch der Psychologie:

„Die Abwesenheit von Stress ist Tod – Nur Tote haben keinen Stress“ – (Selye, 1982).

Dr. Christian Uhl, Sportpsychologe von Olympiasiegern und Weltmeistern – der ehemalige Leistungssportler arbeitet seit über 25 Jahren als Psychologe im Spitzensport und ist seit über 15 Jahren Trainer/ Coach von Führungskräften nationaler sowie internationaler Unternehmen. Im Fokus steht dabei immer auch eine gesunde Leistungskultur im Sport und in den Unternehmen.
Studium in Psychologie (Dr. rer. nat.), Universität Innsbruck. Studium in Sportwissenschaften, Philosophie und Pädagogik (lic. phil.). Zertifizierter Sportpsychologie, Arbeits-/Organisations-Wirtschaftspsychologie sowie Klinischer- und Gesundheitspsychologie. Co-Founder des Online Beratungsunternehmens Onehourtotalk (www.onehourtotalk.de).

Ja, auch ich oute mich als Verteidiger des Stresses! Und das nicht nur, weil der Stress mir als Sport – und Wirtschaftspsychologe vermutlich einen Großteil meines Arbeitsfeldes schafft, sondern weil ich viel zu oft positive Erfahrung mit Stress machen durfte.

Mittlerweile beraten mein Team und ich in unserem wirkungsvollen Konzept: Onehourtotalk (www.onehourtotalk.de) Einzelpersonen und Unternehmen im Hinblick auf wichtige Lebensentscheidungen, herausfordernde Phasen, Beziehungen oder einfach auf das eigene Wohlbefinden.

Ein Geheimnis kann ich Ihnen jedoch verraten: Wir wollen in unserer Beratung den Stress nicht eliminieren!

Im Kern verdeutlicht dieser Satz von Selye nämlich, wie erfüllend und belebend Stress ist. Denn Stress ist auch präsent, wenn wir im Eifer sind – einen Urlaub planen, eine Heirat managen oder auch eine sportliche Herausforderung auf uns nehmen. Er macht uns aufmerksamer, agiler, gesünder und sogar glücklich – erzeugt Kribbeln im Bauch und Begeisterung!

Er wird nur eine Belastung, wenn die Dosis nicht mehr stimmt – und es keinen Wellenverlauf mit Pausen zwischendurch gibt.

Es geht also primär darum, wie es aussehen kann, wieder für sich einen Wellenverlauf zu formen.

Richtig, darin liegt die wahre Kunst: Wie sieht die eigene Pause dabei aus?

Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt mehrere an diesem Punkt hier verliere: Bewegung kann eine Pause für uns bedeuten! Ich rede dabei von Sport in einer aktivierenden Form, wie Spazieren gehen, Yoga oder Tanzen. Moderate Bewegung für 30 Minuten dreimal die Woche wirkt nicht nur mental befreiend, sondern regt auf körperlicher Ebene unsere Glückshormone an, gibt uns ein Gespür für den eigenen Körper. In diesem Moment sind wir mit dem Bewusstsein bei uns und nicht im Morgen oder Gestern. Wenn die Gedanken schweifen, dann tun sie das in Bewegung. Ich persönlich glaube, dass genau diese Kombination aus Bewegung gepaart mit der einzigen Aufgabe für uns in dieser Sekunde, jene Bewegung auszuführen – diese Befreiung auf unseren Geist auslöst. Schließlich gestaltet es sich schwierig, eine Dehnübung mit einer Atemübung auszuführen und dabei die Einkaufsliste für morgen zu füllen. Probieren Sie es aus – es geht nicht!

Alles, was also in diesem Moment relevant ist, ist der eigene Körper und: Sie! Die Kunst der Pause ist es, sich selbst in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

Extra für Sie: Zwei unschlagbare Mini-Kniffe mit großem Effekt, um seine optimale Pause zu finden!

1. Kniff: 5 Minuten Genuss-Dosis – Ja, irgendwie, irgendwo können Sie sich fünf Minuten zusammenkratzen. Was machen Sie in diesen fünf Minuten? Sie gehen raus ins Freie und spazieren. Falls jetzt der Gedanke aufkommt: „Ah, ok spazieren gehen…“ Nein! Sie gehen nicht nur spazieren, sondern sie probieren bewusst diesen kleinen Walk zu genießen. Gehen Sie alleine.

Woran laufen Sie vorbei, wie riecht die Luft, was sehen Sie vielleicht heute zum ersten Mal (obwohl Sie diese Strecke schon lange kennen)? Was empfinden Sie auf Ihrem Weg als BESONDERS schön?

2. Kniff: Tanken und Aufladen – Nehmen Sie sich dreimal am Tag kurz einen Zettel, malen Sie eine Achse und zeichnen Sie ihren momentanen Zustand ein. Am Ende der Achse sind Ihre 100 Prozent Akku (Leistungsfähigkeit). Achtung: Wenn Ihr Akku die 50 Prozent unterschreitet, dann müssen Sie handeln! Tun Sie das, was ihnen spontan einfällt. Stehen Sie beispielsweise kurz auf, nehmen Sie sich Ihr Kind oder Partner für eine Umarmung, gehen ein Glas Wasser holen, strecken kurz den Kopf aus dem Fenster und nehmen einen tiefen Atemzug. So behalten Sie ihr ganz eigenes Funktionslevel im Auge und hören auf ihre Bedürfnisse. Ihr Handy laden Sie wahrscheinlich auch nicht erst, wenn es bei 5 Prozent angekommen ist, oder?

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen!

Dr. Christian Uhl

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